Andacht - 06.05.2020

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Er weckt mich alle Morgen

 

1) Er weckt mich alle Morgen,
Er weckt mir selbst das Ohr.
Gott hält sich nicht verborgen,
führt mir den Tag empor,
daß ich mit Seinem Worte
begrüß das neue Licht.
Schon an der Dämmrung Pforte
ist Er mir nah und spricht.

2) Er spricht wie an dem Tage,
da Er die Welt erschuf.
Da schweigen Angst und Klage;
nichts gilt mehr als Sein Ruf.
Das Wort der ewgen Treue,
die Gott uns Menschen schwört,
erfahre ich aufs neue
so, wie ein Jünger hört.

3) Er will, daß ich mich füge.
Ich gehe nicht zurück.
Hab nur in Ihm Genüge,
in Seinem Wort mein Glück.
Ich werde nicht zuschanden,
wenn ich nur Ihn vernehm.
Gott löst mich aus den Banden.
Gott macht mich Ihm genehm.

4) Er ist mir täglich nahe
und spricht mich selbst gerecht.
Was ich von Ihm empfahe,
gibt sonst kein Herr dem Knecht.
Wie wohl hat's hier der Sklave,
der Herr hält sich bereit,
daß Er ihn aus dem Schlafe
zu seinem Dienst geleit.

5) Er will mich früh umhüllen
mit Seinem Wort und Licht,
verheißen und erfüllen,
damit mir nichts gebricht;
will vollen Lohn mir zahlen,
fragt nicht, ob ich versag.
Sein Wort will helle strahlen,
wie dunkel auch der Tag.

 

Text: Jochen Klepper 1938, Melodie: Rudolf Zöbeley, 1941

In diesen Tagen erinnern wir uns – an das Ende des großen Krieges, manchen sind da besondere Gedanken geblieben, die das ganze Leben geprägt haben. Trotz der Idee, dass das Schlimme jetzt bald ein Ende hat, waren diese Tage auch Tage voller Angst, Trauer und Ungewissheit.

In diese Stimmung hinein nimmt Rudolf Zöbeley das Gedicht von Jochen Klepper und schreibt dazu eine mitreißende, erweckende, fröhliche Melodie.

Vielleicht war es genau das, was damals Hilfe geben konnte, denen, die es gehört und gesungen haben: ein fröhliches, hoffnungsvolles Lied.

Gott ist da, wie er schon seit dem Beginn der Welt da ist: das verfasst Jochen Klepper mitten in Kriegstagen. Gott ist da, er ist treu, nahe, er verschenkt sich selbst an uns.  Gott versteckt sich nicht, an jedem Morgen dürfen wir ihn neu ansprechen und ihm sagen, was los ist bei uns, wie es uns geht und was wir uns so über das Leben denken.

Unsere Sorgen, unsere Angst, die Hoffnung, die uns gerade fehlt, alles das ist bei Gott gut aufgehoben, es verhallt nicht, sondern findet Gehör. Gott spottet nicht über unseren Kleinmut, sondern er möchte ihn mit uns besiegen und uns mit Hoffnung umhüllen.

Gegen all die Unwägbarkeiten, die Fragen und die Ungewissheit unserer Tage heute setzt Gott sein Licht. Es gibt kein Dunkel, wenn wir mit Gott unterwegs sind.

Ich weiß nicht, ob Sie sich für diese Ideen so einfach öffnen können. Es ist doch schwierig, in schweren Zeiten auch noch Gott zu entdecken und zu greifen. Doch schon der Versuch lohnt sich – mit ein bisschen Übung wird es auch bald gelingen. Wie Sie Gott begegnen, was Sie dafür tun oder sich vorstellen – finden Sie es selbst heraus und genießen Sie das Ergebnis: die Gelassenheit und die Ruhe, die sich in das Herz hinabsenkt, wenn wir uns darauf verlassen können: Gott ist da.

Lassen Sie sich wecken, aufwecken, neu erwecken von dieser christlichen Übung des Gebets.

Behüt Sie Gott. Amen.

                                                                              Bilder & Text: K. Kowalsk

 


Improvisation im modernen Stil über den Choral  Er weckt mich alle Morgen (EG 452)

Klaus M. Kowalski, Hill & Son-Orgel der Holy name church, Manchester UK 


 

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