Andacht - 20.05.2020

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Wer nur den lieben Gott lässt walten

 

Wer nur den lieben Gott lässt walten und hoffet auf ihn allezeit,
den wird er wunderbar erhalten
in aller Not und Traurigkeit.
Wer Gott, dem Allerhöchsten, traut,
der hat auf keinen Sand gebaut.

Was helfen uns die schweren Sorgen,
was hilft uns unser Weh und Ach?
Was hilft es, dass wir alle Morgen
beseufzen unser Ungemach?
Wir machen unser Kreuz und Leid
nur größer durch die Traurigkeit.

Man halte nur ein wenig stille
und sei doch in sich selbst vergnügt,
wie unser's Gottes Gnadenwille,
wie sein Allwissenheit es fügt;
Gott, der uns sich hat auserwählt,
der weiß auch sehr wohl, was uns fehlt.

Er kennt die rechten Freudenstunden,
er weiß wohl, wann es nützlich sei;
wenn er uns nur hat treu erfunden
und merket keine Heuchelei,
so kommt Gott, eh wir's uns versehn,
und lässet uns viel Guts geschehn.

Denk nicht in deiner Drangsalshitze, dass du von Gott verlassen seist
und dass ihm der im Schoße sitze,
der sich mit stetem Glücke speist.
Die Folgezeit verändert viel
und setzet jeglichem sein Ziel.

Es sind ja Gott sehr leichte Sachen
und ist dem Höchsten alles gleich:
Den Reichen klein und arm zu machen,
den Armen aber groß und reich.
Gott ist der rechte Wundermann,
der bald erhöhn, bald stürzen kann.

Sing, bet und geh auf Gottes Wegen, verricht das Deine nur getreu
und trau des Himmels reichem Segen,
so wird er bei dir werden neu;
denn welcher seine Zuversicht
auf Gott setzt, den verlässt er nicht.

 

 

„Wer nur den lieben Gott lässt walten“ – das war ein Lied, das man früher in der Konfirmandenzeit auswendig gelernt hat; nicht alle Strophen, aber doch die ersten drei. Damit man etwas hat „fürs Leben“.

Hat man es sich gemerkt? Oder inzwischen vergessen? Wer es sich merken konnte, dem begegnet im Gedächtnis in diesen Tagen ein Schatz, ein echtes Mittel bei den Sinnfragen, die uns heimsuchen und manchmal auch quälend verunsichern: wie lange wird das noch dauern? Was ist hier eigentlich los?

Sieben Strophen Zuversicht schenkt uns dieses Lied, sieben Strophen Antwort auf Hoffnungslosigkeit und Zweifel. Nein, diese Krankheit ist keine Strafe Gottes, das würde Georg Neumark, der Autor und Komponist dieses Liedes sofoert unterschreiben: Gott straft nicht. Gott macht vieles mit und für seine Menschen, aber er straft nicht. Wenn wir bei unseren Lebenswegen Zweifel haben, ob sie so gut und richtig sind, dann stellt sich mit Gott ein Berater und Freund an unsere Seite, einer, der das Leben sehr gut kennt und der genau weiß, wie es richtig wäre. Und dennoch bevormundet er uns nicht mit guten Ratschlägen oder gibt uns Tipps, wie wir uns selbst optimieren. Die Wege unseres Lebens wählen wir selbst, mit jeder Entscheidung, die wir treffen, mit jedem Tag, den wir so leben, wie wir ihn leben. Es gibt so viele verschiedene Wege in einem einzigen Leben, da können wir gar nicht den optimalen finden, der ganz sicher und direkt zum Ziel führt. Und das ist auch gar nicht der Sinn: Sing, bet und geh auf Gottes Wegen, so heißt es in der 7. Strophe: solange du mit Gott gehst, wird jeder Weg ein guter Weg sein.

Und hier liegt vielleicht der Schlüssel um Gott und auch unser Leben besser zu verstehen: gehen wir immer den Weg Gottes? Oder auch unseren eigenen? Vertrauen wir darauf, dass es einen guten Weg gibt, oder machen wir uns die Straßen selbst zurecht und erwarten dann, dass das auch als richtig angesehen wird?

Das Lied ruft zum Vertrauen auf, es ruft uns dazu auf, uns selbst in Gottes Hand zu legen. Es scheint, als wüsste der Autor, dass das nicht so einfach ist, sonst wäre er vielleicht mit weniger Strophen ausgekommen. In jedem Vers wird die Bitte deutlich: vertrau auf Gott. Darin liegt die Stärke deines Lebens: wenn du ihn in dein Leben einbeziehst, dann wird es auch richtig sein.

 


Wer nur den lieben Gott lässt walten  (EG 369)

Klaus M. Kowalski an der Arp Schnitger Orgel zu St. Ludgeri, Norden, Ostfriesland


 

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