Andacht - 26.04.2020

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Misericordias Domini 2020 – 1. Petrus 2, 21b-25

 

21b dass ihr sollt nachfolgen seinen Fußstapfen; 22 er, der keine Sünde getan hat und in dessen Mund sich kein Betrug fand; 23 der, als er geschmäht wurde, die Schmähung nicht erwiderte, nicht drohte, als er litt, es aber dem anheimstellte, der gerecht richtet; 24 der unsre Sünden selbst hinaufgetragen hat an seinem Leibe auf das Holz, damit wir, den Sünden abgestorben, der Gerechtigkeit leben. Durch seine Wunden seid ihr heil geworden. 25 Denn ihr wart wie irrende Schafe; aber ihr seid nun umgekehrt zu dem Hirten und Bischof eurer Seelen.

 

Mit meiner Tochter gerate ich öfter ins Streit, erzählt mir eine ältere Frau. Sie ist ja jetzt auch schon erwachsen, aber manchmal, da muss ich mich schon sehr zurück halten und schweigen – sonst ist sie sauer!

Vielleicht kennen sie ihn auch, diesen Kampf um das letzte Wort – und den Gedanken, ob man jetzt nochmal was sagt, oder lieber zähneknirschend schweigt – um des lieben Friedens willen.

Macht man ja auch, bei den Kindern sogar gerne, denke ich. Meistens.

So kann man ihn lesen, den Text für den heutigen Sonntag: da sollen sich die Menschen an Christus orientieren, in seine Fußstapfen treten, schweigen, wenn sie geschimpft, angeredet, diskriminiert werden, und das, was da gerade geschieht, weiter geben an Gott, der als gerechter Richter gesehen wird.

 

Fangen wir mal oben an mit den Gedanken: Jesus wird als der geschildert, der keine Lügen verbreitete. Lügen ruinieren Leben: Lügen, die über andere erzählt werden, aber auch die eigenen Lebenslügen. Die wirken sich auch auf mich und andere aus. Jesus mag gewusst haben, wohin ihn sein Weg des leisen Protestes führen würde – er log sich selbst nicht in die Tasche, sondern ging ihn einfach weiter, bis zum Ende. Wie oft lügen wir uns besser, schöner, richtiger, als es die anderen sein mögen – und spüren dann doch, dass es jeder merkt und vielleicht nur aus Freundlichkeit nichts sagt. Man kann sich auch ums ganze Leben belügen, wenn die Hoffnungen immer auf die besseren Zeiten gesetzt und die Schuld am Misslingen der Pläne immer auf die anderen abgewälzt wird.

Nachfolge, im Sinne Jesu leben, heißt auch, dass Gott Ja zu uns gesagt hat, so, wie wir sind. Gut in manchem, nicht in allem, verbesserungswürdig in Vielem. Leben in den Fußstapfen Jesu heißt, dass wir lernen, uns und die anderen so zu nehmen, wie sie eben sind – und dabei mit der Wahrheit umgehen lernen, egal, wie sie ist.

 

Ein anderer Gedanke, den ich schon angeschnitten habe: schweigen, wenn das Widerwort doch eigentlich schon auf der Zunge liegt, sich zurück halten, den anderen machen und leben lassen. Sicher gibt es Situationen, in denen Schweigen nicht zu einer Vergebung, sondern eben erst recht zur Ausgrenzung und Abwertung führt. Dann ist es auch im Sinne Jesu Christi, aufzustehen und seine Stimme zu erheben: menschenverachtendes Verhalten können wir nicht stehen lassen. Hat er ja auch nicht gemacht.

Und doch: der Gedanke, zu schweigen und damit das Eskalieren eines Konfliktes zu verhindern, ist auch tröstend: ich muss es nicht bis zum Ende durchstehen, sondern kann es ablegen: Gott wird das richten, was mir gerade zu viel ist, wo ich keinen Sinn drin erkennen kann. Wir müssen nicht jeden Streit gewinnen, manchmal ist es heilender für beide Seiten, wenn die Lösung im Schweigen liegt.

Das ist nicht einfach, denn meistens wissen wir es ja besser.

In den Fußstapfen Jesu gehen heißt eben auch, auf manchen Sieg zu verzichten.

Und das letzte: Jesus geht – er bleibt nicht stehen auf seinem Weg durch Israel, zum Volk Gottes – und schießlich zum Kreuz: er geht weiter. Stehen bleiben kann jeder, weil mir der Boden unter den Füßen zu heiß oder zu dünn ist. Weil mir der Wind zu sehr uns Gesicht bläst, oder der Anstieg zu steil ist: im Leben gibt es viele Gründe, stehen zu bleiben,  die Welt draußen einfach vorbei ziehen zu lassen.

Angst vor dem Neuen, Angst davor, es falsch anzugehen, Kraftlosgikeit: wie soll ich das jetzt auch noch schaffen, Frust darüber, dass es anscheinend nie genug ist im Leben: viele halten irgendwann an, bleiben stehen.

 

Für mich liegt da fast der tiefste Aspekt des Nachfolgens: selber Spuren hinterlassen. Nicht stehen bleiben und von den schönen Zeiten reden, die es vielleicht geben könnte. Sondern losgehen und etwas tun. Spuren hinterlassen wir, wenn wir vorleben, wie es gehen kann, dieses Leben im Namen Jesu, wenn wir uns aufmachen und nach unserem Platz in dieser Welt suchen – ihn vielleicht irgendwann auch finden: in einer Kirchengemeinde, bei den Flüchtlingen, oder irgendwo anders, wo wir unseren Glauben im Alltagsleben spürbar werden lassen. Spuren hinterlassen heißt, dass die, die uns zusehen beim Leben erkennen, was wir tun und warum.

Ist ja auch gut, wenn Kinder lernen, dass man manchmal besser schweigt – sie werden vielleicht auch mal welche haben. Amen.

 

Gebet

Gott, Quelle des Lebens,

bei dir dürfen wir sein, wie wir sind.

Du nimmst uns an.

Du siehst uns an.

Du hältst deine Hand über uns.

Über jedes Leben.

Lass uns die Stärke fühlen,

die in deiner Liebe steckt.

Lass uns fest werden in unserem Schritt,

wenn wir mit dir durchs Leben gehen.

Amen.

 

 

Bleiben Sie behütet,

Kerstin Kowalsk

 


 

Feierliche Improvisation über den Choral  Jesu geh voran

Klaus M. Kowalski, Hill & Son-Orgel der Holy name church, Manchester UK


 

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