Andacht - 30.04.2020

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Sehnsucht Heimat - Andacht zur Ausstellung in der Auferstehungskirche  -  30.04.2020
Was ist Heimat? Sind es die Orte, die mein Leben geprägt haben, das Elternhaus, die Schule, die Orte der Kindheit? Sind es vor allem die Menschen, die mich in meinem Leben begleitet haben, die Eltern, die Geschwister, die Familie, die Nachbarn, die Schulkameraden? Sind es die Sprache, die Traditionen, die Feste, die Kochrezepte und die Musik?
Wenn Menschen durch unterschiedliche Umstände hervorgerufen ihre Heimat verlassen müssen, dann ist das ein großer Einschnitt in ihrem Leben. So viel Vertrautes bleibt zurück, das Haus bzw. die Wohnung, die Schule, die besucht wurde, das Dorf oder die Stadt, in der ein Mensch aufgewachsen ist. Der materielle und der ideelle Besitz eines Menschen schrumpfen zusammen auf wenige Habseligkeiten und Bräuche und Traditionen, die der Mensch hinüberretten konnte.
Mit Flucht und Vertreibung gehen traumatische Erfahrungen einher, die Menschen oft ihr Leben lang nicht loslassen. Neuen Boden zu betreten bedeutet gleichzeitig eine tiefe Verunsicherung. Der Neuanfang verlangt oft große Anstrengungen. Bis Menschen mit Fluchterfahrungen ihre traumatischen Erlebnisse einordnen können und sich wieder eine neue Heimat aufbauen können dauert es Jahre.
All diese Erfahrungen sind der Bibel nicht fremd. Abraham bekommt den Auftrag, seine Heimat zu verlassen: “Und der Herr sprach zu Abram: Geh aus deinem Vaterland und von deiner Verwandtschaft und aus deines Vaters Hause in ein Land, das ich dir zeigen will. Und ich will dich zum großen Volk machen und will dich segnen und die einen großen Namen machen, und du sollst ein Segen sein. Ich will segnen, die dich segnen und verfluchen, die dich verfluchen; und in dir sollen gesegnet werden alle Geschlechter auf
Erden.” (1. Mose 12,1-3)
Der Auftrag beginnt mit dem Zurücklassen des Vertrauten und mit dem Weg ins Ungewisse. Abram darf ihn gehen unter der Segens- verheißung Gottes. Sarah, die zuerst nicht glauben kann, dass sie in ihrem Alter noch ein Kind bekommen soll, bringt Isaak zur Welt. In den Vätergeschichten lesen wir von Verheißungen: Gott segnet, Gott geht mit. Wir lesen aber auch von Brüchen, Abraham und Lot, die zunächst zusammen aufgebrochen waren, trennen sich, und teilen sich das Land. Wir lesen von Konflikten zwischen den nomadischen Völkern  und den Völkern, die immer schon in dem Land sesshaft waren.
Naturkatastrophen, Kriege und Bürgerkriege rufen Wanderungsbewegungen hervor. Menschen, die ihre Heimat verlassen müssen und Sicherheit und Zukunft suchen kommen als Heimatlose und Fremde an. Und sie bringen ihre Lebenserfahrung, ihr handwerkliches Können, ihre Kultur mit. Und aus denen die zuerst Hilfe gebraucht haben können die werden, die anderen helfen. Ich denke an junge Menschen z.B. aus dem Iran, die hier in der Altenpflege arbeiten und den alten Menschen mit viel Respekt begegnen. Ich denke an junge Menschen aus Syrien, denen es eine Anliegen ist, jetzt hier zu helfen und die durch die Coronakrise notwendige Hilfen für ältere Menschen organisieren. Ich denke an einen jungen Flüchtling aus Afghanistan, der jetzt Arbeit in einem Bamberger Gärtnerbetrieb bekommen hat.
Bei Jesaja habe ich ein Wort gefunden, das ich all jenen zurufen möchte, die gerade durch ungewisse Zeiten gehen müssen, die Abschiede aushalten müssen und mit Sorge in die Zukunft sehen: „So spricht Gott: Fürchte dich nicht, ich bin mit dir, weiche nicht, denn ich bin dein Gott. Ich stärke dich, ich helfe dir auch, ich halte dich durch die rechte Hand meiner Gerechtigkeit.“  (Jesaja 41,10)
Ihre Pfrn. Doris Schirmer- Henzler


Gottes Segen sei bei dir

Er heile deine Trauer
um verlorene Menschen
und verpasste Chancen

Er vergebe dir,
was dir misslungen ist.
Er lasse dich dankbar
zurückschauen
auf die guten Tage.

Er leite deine Schritte
in eine gute Zukunft
und gebe dir starke Hände,
wache Gedanken
und ein frohes Herz.

In der Druckversion finden Sie das Segenswort mehrfach, vielleicht wissen Sie jemanden, dem Sie es weitergeben können!

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